Erostepost Literaturpreis 2017 Laudatio
erostepost Nr. 54, Juni 2017
Wie man dem Mythos „Wahrheit“ auf die Schliche kommt, davon und noch mehr erzählt Susanne Neuffer in ihrem Sieger-Text „Chor der Engel“. Zwei befreundete Paare, Hildegard und Cord, Vincent und die Ich-Erzählerin, treffen sich beim „Libanesen“. Man zerlegt ein Hühnchen und inszeniert sich der eigenen Größe wegen. Sätze werden zu blühenden Gebinden aus Annahme und Verweis, Realität und Fiktion – mit einer Verve vorgetragen, als gehe es um alles. Geht es auch, nämlich um uns selbst. Der Winter in Montreal: „Nasskalte Schneeschauer, unbarmherziges Eis unter den Reifen und Füßen“ – oder doch ein Weihnachtsmärchen? „Es gibt ein Recht am eigenen Text“, so die Ich-Erzählerin. „Wer lügt, muss genau sein und ungenau zugleich.“ Liegt die Deutungshoheit beim Publikum, sprich bei Freunden? „Dann erzähle ich meine aufgerüschten RAF-Geschichten, die kleinen Anekdoten aus den Hinterzimmern einer kleinen deutschen Revolution. Es stimmt ja auch einiges daran, zum Beispiel, dass die Terroristin XY eine Nachbarin war – wobei ich kürzlich die Namen durcheinander gebracht habe, die war ja schon tot, und das war auch in einer anderen WG.“ Erinnerung umkreist fortwährend unsere Abwesenheit. Zwischen Fassbarem und Unfassbarem spürt Neuffer dem vermeintlich Autobiographischen nach, einem Ego, dem es gilt, gerecht zu werden. Mit subtilem Hintergrundwitz kommentiert sie als Ich-Erzählerin das Geschehen, legt ihren Finger in die Wunden kleiner Begierden, rettet Hildegard Schmitthenner schließlich vor Vincent, einem unangenehmen Frager, der immer alles genau wissen will, er ist einer, der ihre wundersame Chor-Geschichte in Montreal, vor allem des Sängers Satz: „Special thanks to wonderful Hildegard“, so nicht hinnehmen mag … Bestechend leicht und tiefsinnig zugleich lotet die Autorin die Un-Tiefen scheinbar gesetzmäßig verlaufender Abende aus. Wir fühlen uns ertappt. Etwas, was fehlt, wird doppelt bedeutsam.

Frank Keil - Meine Helden wollen nie nach Süden

taz Hamburg, 28.02.2017
Erstaunlich unbemerkt von einem größeren Publikum schreibt die Hamburger Schriftstellerin Susanne Neuffer seit vielen Jahren wunderbare Geschichten. Auch an Literaturpreisen ist kein Mangel. Es ist höchste Zeit, sie kennenzulernen.
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Sabine Doering - Scheidungsurkunden hat man gerne verfügbar

Frankfurter Allgemeine Zeitung, August 2016, auf buecher.de
In zweiundzwanzig kleinen Geschichten - zwei davon preisgekrönt - erkundet Susanne Neuffer, Jahrgang 1951, die Sehnsüchte von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, Männer und Frauen im besten Alter, wie man sie früher einmal genannt hätte.
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Martin Gaiser - Radio freeFM Ulm
"Freunde reden Tacheles", Radio freeFM Ulm, August 2016
Susanne Neuffer hat einen ganz und gar eigenen Humor, einen minimal sarkastisch wirkenden Ton, der immer feiner, immer besser wird, und sie hat die Fähigkeit, ganz unterschiedliche Lebensumfelder zu gestalten, in Biografien und Berufsfelder zu schlüpfen – und daraus macht sie gar nicht kunstvoll wirkende und deshalb umso mehr zu bewundernde Texte, die reich sind, die lachen lassen, schmunzeln allemal.
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Andrears Stork - Stadtgespräch 7/2016
Stadtgespräch, Juli 2016
Eigentlich liebe ich Kurzgeschichten nicht. Ich bin eher der Typ, der dicke Romane liest - wozu selbstverständlich eigentlich die Zeit fehlt, außer im Urlaub. Kurzgeschichten sind ja immer schon vorbei, bevor sie richtig angefangen haben.
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Clarissa Lempp - Aviva Berlin
www.aviva-berlin.de, Juli 2009
In Susanne Neuffers Erzählungen treffen die Sehnsüchte und Ängste ihrer ProtagonistInnen auf eine scheinbar surreale Wirklichkeit. Leise, klug und witzig erzählt die Autorin vom skurrilen Leben.
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Niklas Feldtkamp - Bürgerliche Abenteuer
aus der Amazon.de-Redaktion
Susanne Neuffers Gedichte suchen nicht den hohen Dursgrünbeinton, und das verkaufsfördernde Etikett "Pop" lassen sie sich schon gar nicht aufkleben. Neuffer begibt sich mit ihren Texten stattdessen auf eine spannende Expedition in den bürgerlichen Alltag
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Tanja Langer - Auszug aus der Laudatio zum Walter-Serner-Preis
Walter Serner-Preis 2007
“Zu den Dingen, die man Frauen nicht erzählen sollte, gehört, dass man die Nationalhymne zum Einschlafen braucht.” Dieser Satz allein hat einen Preis verdient, womit wir bei unserer Gewinnerin wären, Susanne Neuffer aus Hamburg, und dem Glück, dass ihre Geschichte so weitergeht, wie der klug-naive Ton es verspricht, der an die Großstadtliteratur der zwanziger Jahre erinnert und doch ganz anders ist. Mit einem Erzähler, der immer mehr in Fahrt kommt, und der am Ende den Eindruck von etwas Überschäumendem und Vergnüglichem hinterlässt.
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Ingrid Noll - Auszug aus der Laudatio zum 2. Preis im Bettina von Arnim-Wettbewerb
Bettina von Arnim-Wettbewerb 1999
Beim Lesen läuft im Kopf ein melancholisch-absurder Film ab: Da steht eine modern Jeanne d'Arc im schwarzen Kampfanzug vor den Bewohnern eines Altersheims und will sie mit der Lesung romantischer Texte unterhalten.
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